Das Autogene Training (AT) ist ein wissenschaftlich fundiertes und didaktisch klar gegliedertes Verfahren zur konzentrativen Selbstentspannung. Seit über 60 Jahren wird es von Ärzten, Psychologen, Psychotherapeuten und Pädagogen als hervorragendes Mittel zur Vorbeugung und Behandlung psychischer und psychosomatischer Störungen hoch geschätzt und ist eine sehr gute Vorbeugung gegen Stress. Es dient der umfassenden Selbstentspannung und Beruhigung, und wirkt ausgleichend auf das Vegetative Nervensystem, das die unwillkürlichen Körperfunktionen wie die Atmung, den Herzschlag, den Kreislauf und die Verdauung steuert.
Autogenes Training eignet sich unter anderem zur Steigerung der Konzen-trationsfähigkeit, für eine verbesserte Schlaf- und Erholungsfähigkeit, zur Verbesserung von geistigen, körperlichen und künstlerischen Leistungen, zur Änderung hinderlicher Denkmuster, zur besseren Abgrenzungsfähigkeit, zur Stärkung des Selbstvertrauens. Ausserdem eignet sich AT auch hervorragend zur Geburtsvorbereitung.
Das grundlegende Werk von Prof. Dr. med. Johann Heinrich Schultz (1884-1970), Begründer des Autogenen Trainings, aus dem Jahre 1932 trägt den Titel: “Das Autogene Training, Konzentrative Selbstentspannung”. Allerdings ist das Wort konzentrativ in diesem Zusammenhang nicht mit Willensanstrengung gleichzusetzen. Genau das Gegenteil ist beabsichtigt, es ist ein Loslassen, eine Hinwendung nach innen, die Distanzierung von Geräuschen und Gedanken ist ein Lernziel das im Laufe der Zeit erreicht wird.
Innerhalb der Grundstufe lässt sich mit den Komponenten der Schwere- und Wärmewahrnehmung nach mehrwöchigem Training eine psychovegetative (organismische) Gesamtumschaltung erreichen. Zusätzliche Bestandteile, die Organübungen, vertiefen zusätzlich die Körperwahrnehmung. Im Sinne einer Stabilisierung und Umschaltung des Vegetativums werden die unwillkürlichen Körperreaktionen beeinflusst und die parasympathischen Reaktionen gefördert. Die Anwendung der erlernten Übungen ermöglichen eine schnellere Entspannung in Stresssituationen. Formelhafte Vorsatzbildungen (Leitsätze)bereichern die therapeutische Arbeit.
Die analytische Oberstufe des autogenen Trainings basiert auf Imaginationen im tief entspannten Zustand und dient der Selbsterkenntnis und Persönlichkeitsentwicklung.
Der Entspannungszustand ist wie folgt messbar:
Die Hauttemperatur wird während des Autogenen Trainings, durch die suggestiv erhöhte Durchblutung, aufgrund der Wärmeverteilung im ganzen Körper erhöht. Das lässt sich mittels Infrarotthermografie nachweisen.
Hohlorgane wie Blase, Darm, Lunge und das Gefäss-System entspannen sich dank der Entspannung von Muskeln und Nerven, was röntgenologisch nachweisbar ist.
Der Blutdruck sinkt bei Patienten mit Blut-Hochdruck nachweisbar um ca. 30mm/Hg. Doch Menschen mit tiefem Blutdruck brauchen sich deswegen keine Sorgen zu machen, denn eine lebensnotwendige Sperre im Kreislaufsystem sorgt dafür, dass der Blutdruck nicht unter seinen Wert sinken kann, denn sonst würden wir im Schlaf ja kollabieren.
Mittels EEG (Elektroenzephalogramm) ist der Verlauf der Gehirnwellen im Alpha-Bereich im Zustand des AT nachweisbar.
Folgende Gehirnwellen-Frequenzbereiche werden unterschieden:
Beta-Bereich: Dieser Gehirnwellenbereich umfasst die Frequenzen 14 - 30 Hz und repräsentiert den wachen, konzentrierten, nach aussen gerichteten Bewusstseinszustand, in welchem der Mensch sich tagsüber den grössten Teil der Zeit befindet. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch mentale Aktivität und logisches, analytisches Denken, kann aber auch Unruhe, Sorge, plötzliche Angst, Anspannung oder Alarmbereitschaft bedeuten. Hohe Beta-Anteile stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten Ausstoss von Stresshormonen.
Alpha-Bereich: Dieser Gehirnwellenbereich umfasst die Frequenzen zwischen 8 und 13 Hz. Kennzeichnend für diesen Zustand ist wohlige Entspannung. Die Aufmerksamkeit ist hierbei nach innen gerichtet und es geht eine erhöhte Empfänglichkeit für Suggestionen mit diesem Zustand einher und wird während des Autogenen Trainings automatisch erreicht. In diesem Zustand sind wir auch in der Einschlaf- und Aufwachphase.
Theta-Bereich: Dieser Bereich umfasst die Frequenzen von 4 - 7 Hz und kennzeichnet den Zustand, in welchem wir uns üblicherweise während des Traumschlafs befinden. Es ist ein ruhiger Zustand, der durch ein gesteigertes, plastisches Erinnerungsvermögen, bildhafte Vorstellung, Phantasie und Kreativität, sowie aussergewöhnliches Problemlösen geprägt ist. Dieser Zustand wird auch durch Tiefenmeditation erreicht.
Delta-Bereich: Dieser Bereich umfasst die Frequenzen 1 - 3 Hz und tritt normalerweise nur während des traumlosen Tiefschlafs auf, kann aber auch in Trance-Zuständen dominieren. Von grosser Bedeutung sind diese Wellen für Heilungsprozesse und die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems.